„Was ist denn mit dir los? Dir ist wohl eine Laus über die Leber gelaufen!“
Wer diesen Satz hört, muss vermutlich keine echte Laus auf der Leber suchen. Die Redensart bedeutet: Jemand ist schlecht gelaunt, gereizt oder ärgert sich – oft über eine Kleinigkeit.
Aber warum ausgerechnet eine Laus? Und warum sollte sie über eine Leber laufen?
Was steckt hinter der Redensart?
Die Geschichte führt weit zurück. Schon in der Antike glaubten die Menschen, die Leber sei der Sitz von Gefühlen und Temperamenten. Der griechische Arzt Hippokrates ordnete dort unter anderem Zorn, Wut und Missmut ein. Diese Vorstellung hielt sich bis ins Mittelalter.
Ursprünglich sagte man deshalb sinngemäß:
„Ihm ist etwas über die Leber gelaufen.“
Damit war gemeint: Etwas hat ihn verstimmt oder verärgert.
Später wurde aus dem unbestimmten „etwas“ eine Laus. Genau nachvollziehen lässt sich dieser Übergang nicht. Wahrscheinlich spielte zum einen der Klang eine Rolle: Laus – Leber – gelaufen klingt durch die vielen „L“-Laute besonders einprägsam. Zum anderen ist eine Laus winzig und unbedeutend. Sie passt deshalb wunderbar zu der Vorstellung, dass sich jemand bereits über eine Kleinigkeit aufregt.
Seit wann gibt es die Redensart?
Die Vorstellung von der Leber als Sitz der Gefühle reicht bis in die Antike zurück. Die konkrete Redensart mit der Laus ist deutlich jünger, aber ebenfalls schon mehrere Jahrhunderte alt.
Ein besonders schöner schriftlicher Beleg findet sich bereits 1510 beim elsässischen Prediger Geiler von Kaysersberg. Dort heißt es sinngemäß, jemandem sei „eine Laus über die Leber“ gelaufen. Auch in einer frühen Fassung des Grimmschen Märchens „Das tapfere Schneiderlein“ von 1837 wird die Redewendung verwendet.
Wir können also ziemlich sicher sagen: Die Redensart begleitet die deutsche Sprache seit mindestens rund 500 Jahren.
Und erstaunlich ist, wie gut sie bis heute funktioniert.
Ich hab ´da mal ein Beispiel…
Stellen wir uns zwei Jugendliche in der Schule vor.
Jonas: „Was ist denn mit Ben los? Der hat mich gerade voll angemacht, nur weil ich seinen Stift genommen habe.“
Luca: „Vielleicht ist dem einfach eine Laus über die Leber gelaufen.“
Jonas: „Hä? Was soll denn das heißen?“
Luca: „Na, dass er schlecht drauf ist. Vielleicht nervt ihn gerade irgendwas und dann regt er sich wegen jedem kleinen Ding auf.“
Jonas: „Also quasi: Er hat schlechte Laune und ich hab’s abbekommen?“
Luca: „Genau. Und wahrscheinlich hat das mit deinem Stift gar nicht so viel zu tun.“
Und genau das ist der interessante Kern der Redensart:
Manchmal ist der Anlass für schlechte Laune winzig – die schlechte Laune selbst aber ziemlich groß.
Vielleicht ist es ein schlechter Tag, zu wenig Schlaf, Stress in der Schule, Ärger mit Freunden oder einfach ein Moment, in dem alles nervt.
Die Laus ist dabei natürlich nicht wirklich über die Leber gelaufen.
Aber das Bild macht verständlich, was wir alle kennen: Manchmal reicht eine Kleinigkeit, damit das Fass überläuft.
Und vielleicht ist die Redensart deshalb auch heute noch so beliebt: Sie beschreibt einen ziemlich menschlichen Zustand – mit einem Augenzwinkern.
Euer SCHLAUmex Creator
Amadeus



